Lesezeit ca. 8 Minuten

Fachlich geprüft von Helga Maria Freitag – medizinische Fußpflege / Podologin, sektorale Heilpraktikerin für Podologie und Fachexpertin für Kryotherapie / Kältetherapie
Veröffentlicht: · zuletzt geprüft:
Der stille Kampf auf der Waage
Du kennst das Gefühl vielleicht. Der Tag beginnt mit dem Gang zur Waage und endet mit einer leisen Enttäuschung. Trotz bewusster Ernährung und regelmäßiger Bewegung scheint sich das Gewicht kaum oder nur quälend langsam nach unten zu bewegen. Die Motivation sinkt, während die Frustration wächst. Du fühlst dich oft müde, unkonzentriert und deine Gelenke schmerzen nach dem Sport mehr als früher. Es ist, als würde dein eigener Körper gegen dich arbeiten. Dieser Eindruck ist nicht ganz falsch. Die physiologischen Prozesse, die bei Übergewicht im Körper ablaufen, sind komplex und gehen weit über eine einfache Kalorienbilanz hinaus. Genau hier kann ein modernes Verständnis der Körperfunktionen und der gezielte Einsatz von unterstützenden Maßnahmen wie der Ganzkörperkältetherapie einen wertvollen Beitrag leisten.
Übergewicht: Mehr als eine Frage der Kalorien
Lange Zeit wurde Übergewicht rein mechanisch betrachtet: Man nimmt zu, wenn man mehr Kalorien aufnimmt, als man verbraucht. Diese Sichtweise ist zwar im Kern nicht falsch, aber sie greift viel zu kurz. Heute versteht die Medizin das Fettgewebe, insbesondere das Bauchfett, nicht als passiven Energiespeicher, sondern als ein hochaktives endokrines Organ. Das bedeutet, es produziert und sendet eine Vielzahl von Botenstoffen und Hormonen aus.
Bei einem Übermaß an Fettgewebe gerät dieses empfindliche System aus dem Gleichgewicht. Das Gewebe schüttet vermehrt entzündungsfördernde Zytokine aus. Es entsteht eine sogenannte "stille" oder "niedrigschwellige" Entzündung im ganzen Körper. Du spürst sie nicht wie eine akute Wunde, aber sie ist permanent vorhanden und belastet den Organismus. Diese chronische Entzündung kann die Funktion anderer Hormone stören. Beispielsweise kann sie zu einer Insulinresistenz beitragen, bei der die Körperzellen nicht mehr richtig auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin ansprechen. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel bleibt erhöht und der Körper wird angeregt, noch mehr Fett zu speichern. Ein Teufelskreis beginnt.
Gleichzeitig wird die Kommunikation zwischen Fettgewebe und Gehirn gestört. Das Hormon Leptin, das dem Gehirn normalerweise Sättigung signalisiert, wird zwar in großen Mengen produziert, aber das Gehirn wird ihm gegenüber unempfindlich. Du hast also Hunger, obwohl die Energiespeicher voll sind. All diese Prozesse zusammen machen das Abnehmen so schwer. Es ist ein Kampf gegen eine tiefgreifende physiologische Dysregulation, nicht nur gegen den eigenen Appetit.
Der klassische Weg: Diagnose und etablierte Strategien
Der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zu einem gesünderen Gewicht ist immer die Abklärung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Nur so können zugrunde liegende Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion ausgeschlossen oder mitbehandelt werden. Die Ärztin oder der Arzt wird zunächst eine Anamnese erheben und wichtige Parameter wie den Body-Mass-Index (BMI) und den Taillenumfang bestimmen, um das Ausmaß des Übergewichts und die damit verbundenen Risiken einzuschätzen.
Die Basis jeder seriösen Gewichtsreduktion bilden drei Säulen, die untrennbar miteinander verbunden sind:
- Ernährungsumstellung: Eine langfristig angelegte, ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung, die ein moderates Kaloriendefizit ermöglicht. Radikale Diäten sind meist nicht nachhaltig und können den Stoffwechsel zusätzlich verlangsamen.
- Bewegungstherapie: Eine Kombination aus Ausdauertraining zur Steigerung des Kalorienverbrauchs und Krafttraining zum Erhalt oder Aufbau von Muskulatur. Muskeln sind die Kraftwerke des Körpers und verbrauchen auch in Ruhe Energie.
- Verhaltenstherapie: Die Auseinandersetzung mit den eigenen Essgewohnheiten, dem Umgang mit Stress und Emotionen sowie die Entwicklung neuer, gesünderer Routinen.
Dieses Gesamtkonzept ist der Goldstandard und die unumgängliche Grundlage für jeden nachhaltigen Erfolg. Zusätzliche Anwendungen können diesen Prozess jedoch sinnvoll unterstützen.
Die Rolle der Ganzkörperkältetherapie im Gewichtsmanagement
Eine Ganzkörperkältetherapie, wie wir sie hier in unserem Studio in Memmingen anbieten, ist keine Wunderwaffe, die über Nacht Pfunde schmelzen lässt. Sie ist vielmehr ein physiologischer Reiz, der den Körper auf mehreren Ebenen ansprechen und die etablierten Strategien zur Gewichtsreduktion wirkungsvoll ergänzen kann. Bei der Anwendung verbringst du rund drei Minuten in einer Kryotherapie (Cryo) bei circa -110 °C. Die Kälte ist trocken, was sie deutlich erträglicher macht als einen Sprung in eiskaltes Wasser.
Der extreme Kältereiz löst im Körper eine Kaskade von Reaktionen aus. Diese zielen darauf ab, die Körperkerntemperatur stabil zu halten. 1. Stoffwechselaktivierung: Um Wärme zu erzeugen, kurbelt der Körper den Stoffwechsel stark an. Dieser Effekt kann, bei regelmäßiger Anwendung, dazu beitragen, den Grundumsatz leicht zu erhöhen. Der Körper muss arbeiten, um sich gegen die Kälte zu wehren. 2. Verbesserte Regeneration: Viele Menschen, die mit dem Sport beginnen oder ihr Trainingspensum steigern, leiden unter Muskelkater und Erschöpfung. Die Kälteanwendung nach dem Training kann helfen, die Regenerationszeit zu verkürzen und Entzündungsprozesse in der Muskulatur zu dämpfen [3]. Wer sich schneller erholt, kann konstanter und mit mehr Freude trainieren. Das ist ein entscheidender Faktor, um am Ball zu bleiben. 3. Einfluss auf Entzündungsprozesse: Wie bereits beschrieben, ist Übergewicht oft mit stillen Entzündungen verbunden. Die Forschung untersucht intensiv, inwieweit die systemische Kälteanwendung diese niedrigschwelligen Entzündungen beeinflussen kann [6]. Eine Reduktion der entzündlichen Aktivität könnte die hormonellen Regelkreise des Körpers positiv beeinflussen und so das Abnehmen erleichtern.
Die Ganzkörperkältetherapie greift also nicht direkt in die Fettverbrennung ein, sondern zielt darauf ab, die physiologischen Rahmenbedingungen zu optimieren, die für ein erfolgreiches Gewichtsmanagement notwendig sind. Sie ist ein unterstützender Baustein in einem ganzheitlichen Gesundheitskonzept.
Was die Forschung zeigt
Die wissenschaftliche Untersuchung der Ganzkörperkältetherapie ist ein relativ junges Feld. Die meisten Studien konzentrieren sich auf Sportler oder gesunde Probanden. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Menschen mit Übergewicht muss daher mit Vorsicht bewertet werden. Dennoch gibt es interessante Beobachtungen, die den potenziellen Nutzen im Rahmen des Gewichtsmanagements untermauern.
Eine Untersuchung befasste sich mit den Auswirkungen einer Serie von Kälteanwendungen auf die Körperzusammensetzung sowie auf Stoffwechsel- und Kreislaufparameter. Dabei wurden mögliche Veränderungen beobachtet, die auf eine Anpassung des Körpers hindeuten könnten [1]. Solche Studien sind wichtig, um die physiologischen Reaktionen besser zu verstehen, auch wenn sie noch keine direkten Empfehlungen für das Abnehmen erlauben. Der Fokus liegt hier auf der Beobachtung von Mechanismen.
Andere Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die Effekte im Bereich von Sport und Regeneration. Eine Übersichtsarbeit, die sich mit der Anwendung bei Athleten beschäftigt, diskutiert die Beeinflussung von Entzündungs-, Muskel- und Stoffwechselmarkern [3]. Es wird angenommen, dass die Kälte eine anti-entzündliche Wirkung haben und die Erholung nach intensiver Belastung fördern kann. Dieser Aspekt ist für das Gewichtsmanagement relevant, da ein regelmäßiges und beschwerdefreies Training die Grundlage für den Erfolg ist. Wenn eine Kryotherapie dabei helfen kann, die Trainingsfrequenz hochzuhalten, leistet sie einen indirekten, aber wichtigen Beitrag.
Ein weiterer spannender Ansatzpunkt ist die Untersuchung von oxidativem Stress. Dieser ist bei chronischen Entzündungsprozessen, wie sie bei Übergewicht vorkommen, oft erhöht. Eine Studie mit gesunden Männern deutet darauf hin, dass eine Serie von zehn Kälteanwendungen die Marker für oxidativen Stress im Blut reduzieren könnte [4]. Eine Verringerung des oxidativen Stresses wird allgemein als gesundheitsförderlich angesehen und könnte das durch Übergewicht belastete System entlasten.
Es ist jedoch essenziell, die Grenzen der aktuellen Forschung zu kennen. Die Studien haben oft nur eine kleine Anzahl von Teilnehmenden. Die Beobachtungszeiträume sind meist kurz und es fehlen Langzeitdaten. Zudem ist es schwierig, placebo-kontrollierte, verblindete Studien durchzuführen, da die Teilnehmenden die Kälte deutlich spüren. Die Ergebnisse sind daher als vielversprechende Hinweise zu werten, die weitere, größere und längerfristige Untersuchungen erfordern, insbesondere an Personengruppen mit Übergewicht und Adipositas.
Für wen ist die Kältetherapie geeignet und wann nicht?
Obwohl die Ganzkörperkältetherapie für die meisten gesunden Menschen sicher ist, handelt es sich um einen intensiven Reiz für den Körper. Daher ist sie nicht für jeden geeignet. Eine ärztliche Abklärung vor der ersten Anwendung ist zwar nicht zwingend vorgeschrieben, aber bei bestehenden gesundheitlichen Problemen dringend empfohlen. In unserem Studio in Memmingen führen wir vor der ersten Sitzung stets ein ausführliches Aufklärungsgespräch und eine genaue Anamnese durch.
Zu den wichtigsten Kontraindikationen, bei denen von einer Kälteanwendung abzuraten ist, gehören:
- Akute Herz- und Kreislauferkrankungen (z. B. Herzinfarkt in den letzten sechs Monaten, instabile Angina Pectoris, schwere Herzinsuffizienz)
- Unbehandelter Bluthochdruck
- Schwere periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
- Raynaud-Syndrom
- Akute fieberhafte Infekte
- Kälteallergie
- Schwangerschaft
Diese Liste ist nicht vollständig. Wenn du unsicher bist, sprich bitte zuerst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Die Kryotherapie ist bei uns eine Wellness- und Regenerationsanwendung, die der Steigerung des Wohlbefindens dient und keine medizinische Behandlung ersetzt. Sicherheit hat für uns im gesamten Unterallgäu und darüber hinaus oberste Priorität.
Häufige Fragen
Kann ich allein durch die Kältetherapie abnehmen?
Nein, die Ganzkörperkältetherapie ist kein alleiniges Mittel zur Gewichtsreduktion. Sie ist eine unterstützende Maßnahme, die im Rahmen eines Gesamtkonzepts aus Ernährungsumstellung und regelmäßiger Bewegung ihre Wirkung am besten entfalten kann. Sie kann dir helfen, den Prozess durch Stoffwechselanregung und verbesserte Regeneration zu optimieren.
Wie oft sollte ich die Kältetherapie zur Unterstützung nutzen?
Um nachhaltige Effekte auf Regeneration und Stoffwechsel zu erzielen, wird oft eine initiale Serie von zehn bis zwanzig Anwendungen in einem kurzen Zeitraum (z. B. zwei bis drei Mal pro Woche) empfohlen. Danach können ein bis zwei Anwendungen pro Woche ausreichen, um die Effekte aufrechtzuerhalten. Wir beraten dich hierzu gerne individuell.
Was spüre ich während und nach der Anwendung?
Während der drei Minuten in der trockenen Kälte spürst du ein intensives Kribbeln auf der Haut. Es ist ein Gefühl starker Kühle, aber kein Schmerz. Unmittelbar danach durchströmt dich ein warmes, anregendes Gefühl. Viele unserer Gäste berichten von einem Energieschub und einer verbesserten Stimmung.
Ersetzt die Ganzkörperkältetherapie eine ärztliche Behandlung?
Nein, auf keinen Fall. Unsere Anwendung ist eine Maßnahme zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens und zur Regeneration. Sie ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Therapie. Bei gesundheitlichen Beschwerden im Zusammenhang mit Übergewicht ist immer eine Ärztin oder ein Arzt die erste Ansprechperson.
Verbrennt man durch die Kälte direkt viele Kalorien?
Der Kalorienverbrauch während der dreiminütigen Sitzung selbst ist relativ gering. Der entscheidende Punkt ist der nachgelagerte Effekt: Der Körper muss Energie aufwenden, um sich wieder aufzuwärmen und den Stoffwechsel anzukurbeln. Der weitaus größere Beitrag zum Kalorienverbrauch entsteht jedoch durch die verbesserte Fähigkeit, regelmäßig und effektiv Sport zu treiben.
Kältetherapie in Memmingen
Die Ganzkörperkältetherapie bei Kryotherapie (Cryo) Memmingen ist eine kurze, trockene Kälteanwendung bei bis zu –110 °C. Eine Sitzung dauert rund drei Minuten. Wer Kältetherapie bei Abnehmen und Gewichtsmanagement begleitend nutzen möchte, klärt die Eignung vorab ärztlich ab. Unsere Anwendung ersetzt keine Behandlung, sie kann sie im Alltag ergänzen.
Wie eine Sitzung genau abläuft, was Du mitbringst und worauf Du direkt danach achtest, steht im Ablauf der Kältetherapie. Welche Effekte in Studien und Erfahrungsberichten diskutiert werden, findest Du unter mögliche Wirkungen der Kältetherapie. Gegenanzeigen sammeln wir in den wichtigen Hinweisen.
Regelmäßige Kältetherapie ist planbar: Einzelsitzung, Karten oder Flatrate stehen in den Preisen. Fragen zur Ganzkörperkältetherapie beantworten wir gern persönlich.
Studien und Quellen
Diese peer-reviewten Publikationen bilden die Grundlage der im Text beschriebenen Studienlage. Sie zeigen mögliche Effekte, keine gesicherte Heilwirkung. Jeder Titel führt zur Fundstelle in der medizinischen Datenbank PubMed.
- [1] Related Actions of Whole-Body Cryostimulation on Body Composition, Metabolic and Cardiovascular Parameters
Legrand F, Dugue B, Costello J, et al. (2021), Frontiers in Physiology. Beobachtungen zu Körperzusammensetzung sowie Stoffwechsel- und Kreislaufparametern.
- [2] Influence of the ten sessions of the whole body cryostimulation on aerobic and anaerobic capacity
Klimek AT, Lubkowska A, Szygula Z, Chudecka M, Fraczek B (2010), International Journal of Occupational Medicine and Environmental Health. Serie von zehn Kälteanwendungen und deren Effekt auf die Leistungsfähigkeit.
- [3] Whole-Body Cryotherapy in Athletes: From Therapy to Stimulation. An Updated Review of the Literature
Lombardi G, Ziemann E, Banfi G (2017), Frontiers in Physiology. Review zu Effekten auf Entzündungs-, Muskel- und Stoffwechselmarker bei Sportlern.
- [4] Whole-body cryostimulation as an effective method of reducing oxidative stress in healthy men
Stanek A, Cholewka A, Wielkoszynski T, Romuk E, Sieron K, Sieron A (2016), Advances in Clinical and Experimental Medicine. Untersuchung von Markern des oxidativen Stresses nach Kälteserien.
- [5] Whole-body cryotherapy in athletes
Banfi G, Lombardi G, Colombini A, Melegati G (2010), Sports Medicine. Frühe Übersichtsarbeit zu Anwendung und Sicherheitsaspekten im Sport.
- [6] Do sessions of cryostimulation have influence on white blood cell count, level of IL6 and total oxidative and antioxidative status in healthy men?
Lubkowska A, Szygula Z, Klimek AJ, Torii M (2010), European Journal of Applied Physiology. Messung von Leukozyten, Interleukin-6 und antioxidativem Status bei gesunden Männern.
- [7] Anthropometric characteristics and sex influence magnitude of skin cooling following exposure to whole body cryotherapy
Hammond LE, Cuttell S, Nunley P, Meyler J (2014), BioMed Research International. Hautkühlung in Abhängigkeit von Körperbau und Geschlecht.
- [8] Thermography study of skin response due to whole-body cryotherapy
Cholewka A, Stanek A, Sieron A, Drzazga Z (2012), Skin Research and Technology. Thermografische Beobachtung der Hautreaktion auf Ganzkörperkälte.